Das Habitat Forum Berlin
Das Habitat Forum Berlin (Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung menschengerechten Wohnens mbH) ist 1987 - dem "Internationalen Jahr der Menschen in Wohnungsnot" - entstanden. Im Anschluss an eine in Berlin stattgefundene internationale Konferenz der Nichtregierungsorganisationen verbündeten sich Hochschullehrende, Stadtplaner, Soziologen, Architekten und Aktivisten im Namen einer kritischen und die Würde des Menschen nach vorne setzenden Wohn- und Stadtpolitik insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Das Wort „Forum“ steht für mehr als eine imaginierte Kontinuität mit dem wichtigsten städtebaulichen Element antiker Städte, dem Platz. So wie dieser nicht nur ein strukturelles Merkmal sondern auch Basis und Voraussetzung von Civitas, öffentlichem Leben, darstellte, ist das Habitat Forum Berlin Anlaufstelle für einen kontinuierlichen und real praktizierten Austausch von Ideen und Know-How. Im Gegensatz zu „Gesellschaft“, in der das Zusammenleben der gebündelten Individuen mit ihren einzelnen Interessen durch ein Rechte und Pflichten bestimmendes Rechtssystem langfristig normiert ist, stellt das Interesse für bestimmte Anliegen die einzige Bedingung für die Teilhabe an einem Forum dar. Dieser Unterschied prägt sowohl Namen als auch Selbstverständnis des Habitat Forum Berlin.
Der eben definierte Begriff „Gesellschaft“ setzt einen Individualisierungsprozess voraus und legitimiert das hegemoniale Rechtssystem anhand einer Gerechtigkeit, die nur postuliert werden kann. Damit trägt er ein spezifisches ideologisches Erbe, das dessen Anwendung außerhalb westlicher Diskurse untergräbt. Auch der Anspruch, einen „Beitrag zur Gesellschaft“ zu leisten, erscheint damit lediglich abstrakt und überheblich. Das HFB setzt eher auf Wirkung in jeweils anderen aber als interagierend zu verstehenden weltweiten Öffentlichkeiten. Das Konzept von Öffentlichkeit, als menschlich realisierbare Version einer bedingungslosen Gastfreundschaft, lässt Differenz selbstverständlich zu. Diese lokal ausgerichtete und global aufgeschlossene Öffentlichkeit fördert, statt eines nur abstrakt konzeptualisierbaren Kosmopolitismus, eine ausgeweitete Verantwortung zutage - ein ethisch begründetes Verantwortlichkeitsgefühl, welches das Berufen des „Recht auf“ erübrigt.
Um einen solchen Staat der Verantwortlichkeit (entgegengesetzt zum Rechtsstaat) zu realisieren, initiiert das Habitat Forum Berlin Aktionen, Studien, Ausstellungen und Festivals und bringt in kontroversen Diskussionen verfestigte Standpunkte ins Wanken.
Konkret befasst sich das Habitat Forum Berlin mit Erforschung, Verbesserung und Schutz der Wohn- und Lebensverhältnisse von Menschen in aller Welt. Als nichtregierungsgebundene Einrichtung fördert es den internationalen Erfahrungsaustausch und weltweite entwicklungspolitische Zusammenarbeit.
Insbesondere für die Bereiche Stadt- und Regionalforschung und –Planung sowie Architektur zielt sein Engagement auf:
- den Aufbau von Kommunikationsnetzwerken und partnerschaftlichen Kooperationen,
- die Reflexion und Verbreitung von Fachwissen,
- die Erarbeitung innovativer Ansätze und Projekte,
- die Unterstützung lokaler Entwicklungsaktivitäten,
- die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements und
- die Förderung gegenseitigen Kennenlernens der Kulturen als gleichwertig und gleichberechtigt (NEIN zum "Clash of Cultures"!)
Um diese Ziele zu verwirklichen, führt das Habitat Forum Berlin Veranstaltungen, Ausstellungen, Seminare, Publikationen, Fachgutachten, Projekte, Kooperations- und Netzwerkmanagement zu städtischer Kultur, Quartiers-, Stadt- und Regionalentwicklung, Wohnpolitik und Architektur in verschiedenen Ländern durch.
Seit seiner Gründung auf ehrenamtliche Arbeit abwechselnder Mitarbeiter angewiesen, hat sich das Habitat Forum Berlin angesichts der zunehmenden Verflechtung und Komplexität globaler Prozesse 2010 neu strukturiert. Die Mitglieder des aktuellen Teams haben zum Gründungsgeist bekannt, tragen ihn weiter und aktualisieren ihn anhand gegenwartsbezogener Forschung und Praxis. Sie sind Experten aus Geographie, Soziologie, Kulturwissenschaft, Architektur, Stadtentwicklung, Städtebau und Ökonomie mit einem besonderen transregionalen Fokus auf süd- und südostasiatische Länder.
Das Habitat Forum Berlin erkennt die UN-Resolution zum Internationalen Jahr der Menschen in Wohnungsnot (1987), die Beschlüsse der UNCHS-Habitat-Konferenzen in Vancouver und Istanbul (1976/96) sowie der UN-Weltkonferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro (1992) an. Es versteht sich als Teil eines internationalen Netzwerks von unabhängigen Institutionen und Initiativen, die für mit- und selbstbestimmtes Wohnen und Leben kämpfen.
Das Habitat Forum Berlin ist als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) bei der Berliner Handelskammer eingetragen.

