{"id":45,"date":"2015-10-15T14:55:04","date_gmt":"2015-10-15T12:55:04","guid":{"rendered":"http:\/\/habitat-forum-berlin.de\/?page_id=45&#038;lang=de"},"modified":"2016-11-27T22:59:36","modified_gmt":"2016-11-27T21:59:36","slug":"adda-diskurse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/de\/seite\/adda-diskurse.html","title":{"rendered":"adda \u2013 Diskurse"},"content":{"rendered":"<div id=\"main-content\" class=\"region clear-block\">\n<div id=\"node-10\" class=\"node node-type-page build-mode-full\">\n<div class=\"node-inner\">\n<div class=\"content\">\n<p class=\"medium-3 columns\"><em>women power<br \/>\noder<br \/>\nblack power<\/em><\/p>\n<p class=\"medium-3 columns\"><em>wo stehen wir<br \/>\nwo gehen wir hin<\/em><\/p>\n<p class=\"medium-3 columns\"><em>wo wohnen wir<br \/>\nwo bauen wir<br \/>\nwas vermessen wir<\/em><\/p>\n<p class=\"medium-3 columns\"><em>lass uns dichten<br \/>\nzitierend<br \/>\noder<br \/>\nohne zu zitieren<\/em><\/p>\n<p><em><strong>&#8230;lasst uns schreiben!<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>forum<\/em>: R\u00e4umliche, zeitliche wie gedankliche Offenheit eines Ortes f\u00fcr und von gleichberechtigt agierenden Menschen.<\/p>\n<p><em>adda<\/em>: ein nicht weiter definierter sozialer Raum des freien Sprechens, Debattierens, Denkens, gar Quatschens unter Freunden, wie es in der bengalischen Kultur \u2013 aber es lassen sich weltweit gleichwertige Institutionen finden, von der ostafrikanischen <em>baraza<\/em> zur franz\u00f6sischen Caf\u00e9kultur, von der lateinamerikanischen <em>tertulia<\/em> zu den <em>majlis<\/em> in arabischen L\u00e4ndern \u2013 bekannt und \u00fcblich ist.<\/p>\n<p>Die verschiedenen <em>adda<\/em>, ob sie den Alltag eines von Vertreibung bedrohten <em>squatter settlement<\/em> in Dhaka oder die Kontroverse \u00fcber \u201eEntwicklung\u201c behandeln, bieten Raum f\u00fcr Streitgespr\u00e4che, Reflexionen und Entw\u00fcrfe zu Habitat-relevanten Themen und laden zum Mitmachen ein.<\/p>\n<h2><em>&gt;&gt; karail diaries<\/em><\/h2>\n<p>Seit 2009 dokumentiert HFB Alltagsleben und selbstorganisierte Entwicklungen in Karail Basti, einer spontanen Siedlung im Herzen Dhakas, Bangladeschs Hauptstadt. Dank des <a class=\"ext\" title=\"ASA-Programms\" href=\"http:\/\/www.asa-programm.de\/\" target=\"_blank\">ASA-Programms<\/a> unterst\u00fctzen seit 2012 auch Teilnehmende aus Deutschland das Vorhaben, indem sie sich drei Monate lang in Dhaka aufhalten und feldforschen. Im Team mit ihren Kolleginnen aus Bangladesch erkunden sie das Gebiet und teilen hier ihre Einblicke und Highlights mit.<\/p>\n<h3>11.02.2015 &#8211; Unerwartete Annehmlichkeiten und Einschr\u00e4nkungen<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"left alignleft\" src=\"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/sites\/default\/files\/Meghla_house_1_0.jpg\" alt=\"houseworks\" width=\"280\" height=\"342\" \/>Vor etwa drei Monaten begann meine Reise nach Dhaka. Ich war hochmotiviert, in einem fremden kulturellen Kontext Neues zu lernen, hatte aber gleichzeitig auch riesigen Respekt davor, diese Aufgabe anzutreten. W\u00fcrde ich all die Ideen, die ich weit entfernt an meinem Berliner Schreibtisch ausgearbeitet hatte, in die Praxis umsetzen k\u00f6nnen? W\u00fcrden die Bewohner Karails ihre T\u00fcren \u00f6ffnen, wenn eine deutsche Studentin Fragen zu Alltagspraktiken, Einkommen und Lebenssituation stellte?<br \/>\nLetzteres kann ich heute, nach sechs Wochen intensiver Feldforschung vor Ort, klar mit ja beantworten. Abgesehen davon, dass die meisten T\u00fcren st\u00e4ndig offen stehen, habe ich aufgeh\u00f6rt zu z\u00e4hlen, zu wie vielen Tassen Tee ich w\u00e4hrend der Befragungen von Haus zu Haus eingeladen wurde. Noch \u00fcberraschter war ich, dass es keine einzige Person ablehnte, sich von mir f\u00fcnf Tage lang im Alltag begleiten zu lassen. Sogar Meghla, deren Familie gerade die Wellblechw\u00e4nde ihrer Zimmer durch Ziegelsteine ersetzt und daher alle 2-3 Tage Zimmer wechselt, war eher um mein Wohl besorgt als dar\u00fcber, dass ich eine Last sein k\u00f6nnte. Auch haben ihre Eltern schnell gemerkt, dass ich dank meiner Gr\u00f6\u00dfe sehr einfach Lampenfassungen \u00fcber Dachbalken heben oder trockene W\u00e4sche vom Dach einsammeln kann, ohne daf\u00fcr auf einen Stuhl klettern zu m\u00fcssen. Meghla bezeichnete mich bald als ihre gro\u00dfe Schwester, da sie es leid war, immer erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, wer die Ausl\u00e4nderin neben ihr ist; Moneja nannte mich schlicht ihren <em>bodyguard<\/em>, w\u00e4hrend wir tagt\u00e4glich den Weg zu ihrer Arbeitsstelle zu Fu\u00df zur\u00fccklegten.<br \/>\nDennoch gibt es einige Einschr\u00e4nkungen im Forschungsalltag, die ich in Deutschland nicht erfahren w\u00fcrde. Einmal bin ich nach 21:00 Uhr in mein Zimmer in Karail zur\u00fcckgekehrt und habe daf\u00fcr besorgte Blicke von meiner Vermieterin geerntet. So wurde mir klar, dass ich die Tanz-Einlagen in Milans Studenten-WG abends um 23:00 Uhr wohl nicht w\u00fcrde miterleben k\u00f6nnen. Da die Schule aufgrund der angespannten politischen Lage die ganze letzte Woche geschlossen blieb, konnte ich auch mein Vorhaben, die kleine Reshma zur Schule zu begleiten, nicht in die Tat umsetzten. St\u00e4ndig mit Reis-Malzeiten versorgt zu werden, k\u00f6nnte man als gro\u00dfen Vorteil ansehen, aber es ist immer wieder ein kleiner Kampf, wenn mir 3-4 Mal t\u00e4glich ein Riesenteller Reis mit Gem\u00fcse vorgesetzt wird.<br \/>\nAnfangs habe ich mich noch gewundert, warum es so viele Menschen vorziehen, mittags zu duschen. Doch bald habe ich selbst angefangen, die warme Mittagssonne abzuwarten: Nach dem Aufstehen bei 15\u00b0 C kalt zu duschen war etwas zu viel! Ich sitze zwar die meiste Zeit in irgendeinem Innenhof und k\u00f6nnte mittlerweile wahrscheinlich ein Kochbuch schreiben, aber das stundenlange Aufmerksam sein, ab und zu Nachfragen und Verarbeiten ist viel anstrengender, als die Haushaltsbefragung vom vorletzten Monat. Abends falle ich immer todm\u00fcde auf mein B(r)ett! Jedenfalls brauche ich, um die neuen Erkenntnisse zu verarbeiten und mich auf eine neue Woche vorzubereiten, in sehr regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden auch r\u00e4umlichen Abstand und einen guten Kaffee. So bin ich um unsere Wohnung in Shyamoli dankbar.<br \/>\nDoch sicher ist: Die vielen pers\u00f6nlichen Einschr\u00e4nkungen und die erforderliche Flexibilit\u00e4t, die das Forschen in Karail mit sich bringt, sind durch die riesige Gastfreundschaft, die ich hier Tag f\u00fcr Tag erfahre, mehr als wett gemacht.<br \/>\n<strong>Lisa Lampe, ASA-Praktikantin 2014\/15<\/strong><\/p>\n<h3>5.02.2015 &#8211; Introverted and extroverted field research<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"left alignleft\" src=\"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/sites\/default\/files\/Eli_0.jpg\" alt=\"from Banani Lake\" width=\"280\" height=\"196\" \/>An anthropologist could derive very interesting information from living in a basti like Karail, spanned as it is between rural tradition and urban dynamism. She could as well write a wonderful report on the way women and children adapt themselves to spaces that are changing at unexperienced pace, coping with the need for privacy, protection, decentness and the challenge of a congested, thick and dense habitat. Or she could gain insights on the way men state their authority \u2013 generally legitimised by their still prevalent role as bread-earners \u2013 in their day by day family interactions (well, in fact husbands who quitted their jobs after their wives and\/or daughters have got employed in a garment factory, or drudge in wealthy households, seemed to maintain unchallenged authority: a sign of women\u2019s still unfulfilled emancipation, their feeling vulnerable in a public sphere that is thoroughly male-dominated? &#8230;or do mothers prefer to leave things as they are for a sense of responsibility towards their children, whom they wish to ensure a \u201cnormal\u201d childhood? &#8230;how does the social construct \u201cfamily\u201d ensure its persistence even when the power relationships between husbands and wives are so unfairly distributed?).<br \/>\nHowever, I am not an anthropologist. And since I start feeling claustrophobic when I stay for too long in the same <em>int\u00e9rieur<\/em>\u00a0\u2013 and Karail&#8217;s homes are all \u201ctoo small\u201d \u2013, my object of research necessarily had to be an \u201cextroverted\u201d one.\u00a0It had to concern the movements, transitions, interactions and exchanges between the organism that the settlement represented and the urban surroundings. It seemed that a membrane separated the two areas, but so tiny and intangible a membrane that goods, people, values, news were continuously interpenetrating those. A continuous osmosis. I observed that certain actors, or agents \u2013 <em>shomitees<\/em>, saving groups, etc. \u2013 controlled how that osmosis occurred, how it impacted the community, and how the community could take advantage from it\u2026 My focus was on the men\u2019s world. Indeed, women found their place and space in that world too: those who ran restaurants or tailor shops around <em>boro math<\/em>, those commuting from Karail to Gulshan\/Banani on an everyday basis, those who, coming back from the factories, chatted within their group of peers&#8230; children, they knew their ways too \u2013 at least the boys. It was a world in which I liked to locate myself; of which I would have liked to be one part, amidst the thousand other factors and persons that boost Karail&#8217;s social process. Of course, this required that I&#8217;d keep in mind where I come from and which responsibilities, if at all, I should stick to.<br \/>\nAfter 2009, I settled again in a room of Karail in 2012 and 2013. I liked to spend time, if not in my small hut, in the courtyards; I chatted with the women and tried to follow their daily rhythms. I wondered what had changed: did I feel closer to mothers and children because I had grown older? Or was the simple reason that, since in the meantime a majority of clusters have been refurbished and assembled in bigger units, the courtyards offered more space to move?<br \/>\n<strong>Elisa T. Bertuzzo, Feldforschungsleitung<\/strong><\/p>\n<h3>22.01.15 &#8211; Daily routines #2<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"left alignleft\" src=\"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/sites\/default\/files\/Marian%202_Noakar%20Ghat.jpg\" alt=\"Bootsstelle\" width=\"280\" height=\"194\" \/>Am Mittwoch beobachtete ich einen anderen interessanten Ort &#8211; das Noakar Ghat, eine der sieben Bootsanlegestellen Karails. Schnell wurden die Unterschiede zwischen Noakar Ghat und Beltala deutlich. Die Bootsanlegestelle im S\u00fcden Karails hat einen ganz anderen Charakter, im Mittelpunkt stehen hier die Boote, welche Karail mit der Mohakhali Road verbinden und ein wichtiges Transportmittel f\u00fcr Besucher aber vor allen Dingen f\u00fcr die Bewohner darstellen. Mehrere Boote (7-11) verkehrten gleichzeitig in der Zeit von 09.30 Uhr bis 13.00 Uhr zwischen Karail und Mohakhali. Nur werden hier keine schweren Lasten von und nach Karail gebracht sondern \u00fcberwiegend Menschen, demnach hat der Ort eine Art Ankunfts-Abfahrtscharakter. Ohne die Bootsfahrer w\u00fcrde an diesem Ort nichts funktionieren. Einige von Ihnen schienen flei\u00dfiger, andere genossen die Ruhe nach der morgendlichen rush hour an den drei Teebuden, die sich am Ufer des Banani Lake befinden.<br \/>\nAuch ich lie\u00df mich an einer der Teebuden nieder, um das Treiben zu beobachten. Was mir bei drei Tassen Zitronentee auffiel, war eine Art Regel zwischen den Bootsfahrern, welche allerdings wie jede Verkehrsregel in Dhaka gerne missachtet wird \u2013 von daher l\u00e4sst es sich nach einer einmaligen Beobachtung schlecht sagen, ob es sich wirklich um eine Regel handelt. Vor den Teebuden sah man permanent M\u00e4nnergruppen, die sich wie in Beltala \u00fcber mehrere Sachen auszutauschen schienen (<em>adda<\/em>). Zwei Verk\u00e4ufer \u2013 scharfe Kartoffeln und Kichererbsen, Betelnuss \u2013 standen zwischen 10 und 11 Uhr vor den Teebuden, entschlossen sich dann aber ihre Standorte zu wechseln, wahrscheinlich weil sie nicht viel verkauft hatten.<br \/>\nDas Noakar Ghat ist im Gegensatz zu Beltala nicht so stark von M\u00e4nnern dominiert, auch fehlten hier die unz\u00e4hligen spielenden Kinder. Ein Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte die Uhrzeit gewesen sein aber auch die Tatsache, dass dieser Raum weniger Platz zum spielen und herum toben bietet. So wirkte der Ort insgesamt ruhiger als Beltala \u2013 fast schon idyllisch, was mich sehr \u00fcberraschte, da ich davon ausging, auch an diesem Ort viel Dynamik beobachten zu k\u00f6nnen. Gegen Mittag wurde der Raum zwar st\u00e4rker frequentiert, verlor aber nicht seinen ruhigen Charakter, da die Menschen, die nun zus\u00e4tzlich zum Noakar Ghat kamen, eher ein ruhiges P\u00e4uschen an den Teebuden suchten. Gegen 13 Uhr schloss ich mein Notizbuch.<br \/>\nIm Gro\u00dfen und Ganzen fand ich es super interessant, mir R\u00e4ume \u00fcber die Methode der Beobachtungen zu erschlie\u00dfen. Man beginnt auf Sachen \u2013 Ger\u00fcche, Ger\u00e4usche, Regelm\u00e4\u00dfigkeiten, Menschen, Laufwege \u2013 zu achten, die einem sonst nicht auffallen w\u00fcrden. Zudem ergeben sich viele Fragen und Vermutungen, die es im Anschluss gilt zu \u00fcberpr\u00fcfen. Hinzu kommt, dass ich auf diese Art und Weise verstehen kann, warum ein Raum so gebaut ist, wie ich ihn vorfinde, dass diese gebaute Umwelt durchaus Resultat gesellschaftlichen Handels sein kann, und dass dieser gebaute Raum durchaus r\u00fcckwirkend Einfl\u00fcsse auf das gesellschaftliche Verhalten haben kann.<br \/>\n<strong>Marian Knop, ASA-Praktikant 2014\/15<\/strong><\/p>\n<h3>17.01.15 &#8211; Wo f\u00e4ngt hier eine Stra\u00dfe an?<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"left alignleft\" src=\"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/sites\/default\/files\/Louisa_P1080884.JPG\" alt=\"Louisa\" width=\"280\" height=\"219\" \/>Meine Erinnerung verschwimmt, wie und auf welchem Wege ich in einer Kleingruppe im September 2012 zum ersten Mal Karail betrat. Die Landung am Flughafen Dhaka war erst ein paar Stunden her, der fehlende Schlaf und der Zeitsprung von vier Stunden war noch nicht vollst\u00e4ndig aufgeholt. Die Neugier jedoch, die Stadt Dhaka und Karail nicht nur aus Erz\u00e4hlungen und Texten zu kennen, sondern nun endlich selbst zu sehen und zu erleben, war gr\u00f6\u00dfer.<br \/>\nNach einer Bus- oder CNG-Fahrt \u00fcber die Stra\u00dfen Dhakas brachte uns eine Rikscha schlie\u00dflich an einen Rand von Karail. Es erschloss sich mir schnell, dass man sich durch die engen und belebten Stra\u00dfen und Wege der Halbinsel Karails zu Fu\u00df am einfachsten bewegt. Das Zusammenspiel der Eindr\u00fccke &#8211; eine Kombination aus Farben, Ger\u00e4uschen und Ger\u00fcchen &#8211; lie\u00df ich auf mich wirken.<br \/>\nIn der Uni hatte ich bestimmte Vorgehensweisen und Methoden gelernt, wie man Geb\u00e4ude und Stadtquartiere bei ihrer ersten Begehung betrachten und erfassen kann. Hier in Karail w\u00fcrde es anders ablaufen. Wo fing eine Stra\u00dfe an? Wo h\u00f6rte der Innenhof eines Wohnkomplexes auf? R\u00e4ume in Karail werden auf vielfache Art und Weise genutzt; Erschlie\u00dfungsfl\u00e4chen sind gleichzeitig Aufenthaltsr\u00e4ume; ein Laden ist nicht nur ein Verkaufsraum, sondern dient dem Eigent\u00fcmer auch als Wohnzimmer, seinen Freunden und Bekannten als Treffpunkt, und ab und dann, wenn es regnet, auch als Unterstand f\u00fcr viele Passanten.<br \/>\nWir lernten auf sp\u00e4teren Begehungen in Karail Shahidul Kafil kennen; er stellte uns seiner Familie vor und erlaubte uns, seine Wohnr\u00e4ume zu vermessen. Wenn wir uns mit ihm wieder trafen, um zu plaudern und Tee oder Limonade zu trinken, lud er uns jedes Mal in seine kleine Apotheke ein, die sich an den Wohnr\u00e4umen anschliesst und zu einer belebten Marktstra\u00dfe \u00f6ffnet. Von diesen etwas breiteren und lebendigen Gesch\u00e4ftsstra\u00dfen gibt es mehrere in Karail. Sie verlaufen fast parallel von Westen nach Osten (oder umgekehrt) und sind mit meist kleineren Wegen verbunden. Schaut man sich die Stra\u00dfenverl\u00e4ufe in dieser Art, so k\u00f6nnte man auch versuchen, das Wege- und Stra\u00dfensystem auf einer Karte zu kategorisieren. Dass diese Bezeichnungen aber nicht unbedingt der Orientierung vieler Bewohner entspricht, brachte mir Shahidul bei einem Workshop in Erinnerung. In seiner Karte zeichnete er nicht zuerst die vermeintlich prominenteren Gesch\u00e4ftsstra\u00dfen, sondern stellte die kleineren Verbindungsstra\u00dfen in den Vordergrund. Ich musste ihm recht geben: Auch ich, als wir am Ende des ersten Tages die Siedlung auf einem schmalen Holzboot \u00fcber den Bananisee verlie\u00dfen, hatte Ereignisse und Erinnerungen mit meiner eigenen &#8220;inneren Karte&#8221; verkn\u00fcpft &#8211; und sie hatte mit der &#8220;geografischen Karte&#8221; Karails nicht unbedingt viel zu tun!<br \/>\n<strong>Louisa Scherer, ASA-Praktikantin 2012<\/strong><\/p>\n<h3>14.01.15 &#8211; Daily routines #1<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"left alignleft\" src=\"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/sites\/default\/files\/Marian%202_beltala_1.jpg\" alt=\"Beltala\" width=\"280\" height=\"343\" \/>Die Beobachtung der <em>daily routines<\/em> in Karail war f\u00fcr mich eine neue und sehr hilfreiche Erfahrung, da sie mir zum einem half, den Ort Karail an den von mir ausgew\u00e4hlten Stellen besser zu verstehen und zum anderen, weil ich diese Methode zuvor noch nie angewandt hatte. Bei <em>daily routines<\/em>handelt es sich um Prozesse innerhalb des Raumes, die auf die physische Beschaffenheit des Raumes schlie\u00dfen lassen und gleichzeitig ein interessantes Abbild seiner sozialen Struktur geben k\u00f6nnen.<br \/>\nF\u00fcr die Beobachtungen dieser Routinen w\u00e4hlte ich zun\u00e4chst den gro\u00dfen Weg in Beltala, einen Ort, den ich auf Grund seiner schnellen physischen und funktionalen Transformation f\u00fcr interessant erachte. Am ersten Tag startete ich meine Beobachtungen gegen halb vier nachmittags. Schnell wurde mir klar, dass es schwer werden w\u00fcrde die Prozesse in diesem Raum zu beobachten, da meine Anwesenheit viele Menschen, vor allen Dingen Kinder anzog, die wissen wollten, woher ich k\u00e4me, wie ich hei\u00dfe oder was genau ich dort mache bzw. in mein Notizbuch schreibe. Allerdings machte es mir meine Sprachbarriere so ziemlich unm\u00f6glich zu erkl\u00e4ren, dass ich als Teil eines Forschungsprojektes Beltala beobachte. Zudem empfand ich es als unangenehm die neugierigen Menschen die ganze Zeit zu ignorieren &#8211; schlie\u00dflich nahm ich also Augenkontakt auf und versuchte auf ihre Fragen, sofern ich diese verstand, zu antworten. Von daher fiel es mir schwer mich auf die Routinen zu konzentrieren, auch weil ich einige male mehrere 10 Menschen vor mir hatte, die mir den Blick auf den Raum versperrten; zwischen halb vier und f\u00fcnf Uhr h\u00f6rte ich also damit auf.<br \/>\nDennoch konnte ich von meinem Standpunkt aus, einer kleinen Holzbank neben einer Schreinerei, viele interessante Dinge beobachten. In meiner unmittelbaren N\u00e4hre befanden sich weitere Schreinereien und Holzlagerr\u00e4ume, Wohnh\u00e4user, zwei Schneider, eine Teebude, ein Barbier sowie CNG, Pick-Up und Rikshawgaragen. Innerhalb der Gesch\u00e4fte gingen die M\u00e4nner ihren Aufgaben nicht mehr komplett nach: Stattdessen versammelten sie sich zu kleineren 2-3er-Gruppen, um neben laufenden Fernsehern \u00fcber dies und jenes zu reden. Die eingestellten Arbeiten und M\u00e4nnerrunden vermittelten eine angenehme Feierabendstimmung. Der Raum wurde zu dieser Zeit generell von M\u00e4nnern oder m\u00e4nnlichen Jugendlichen dominiert, die entweder in kleineren Gruppen unterwegs waren oder irgendwelche Sachen transportierten. Frauen waren mit Eink\u00e4ufen und kleinen Kindern am bzw. auf dem Arm unterwegs, meist auf dem Weg von A nach B, auf dem sie Beltala durchquerten. Ich konnte viele spielende Kinder beobachten. Schulkinder kamen nur wenige zur\u00fcck. Zudem verlie\u00dfen auch einige Jungsgruppen mit Cricketschl\u00e4gern oder Fu\u00dfb\u00e4llen das Viertel, um auf einem nicht weit entfernten Platz zu spielen. Auff\u00e4llig waren die vielen Rikshaws und Transportfahrr\u00e4der, die an mir vorbeifuhren. Durch ungef\u00e4hre Z\u00e4hlungen konnte ich feststellen, dass ein Gro\u00dfteil der Rikshawfahrer Karail \u00fcber Beltala verlie\u00dfen, um sich auf der Suche nach Fahrg\u00e4sten in die Rush Hour Dhakas zu st\u00fcrzen. Des Weiteren kamen viele Transportfahrr\u00e4der von au\u00dferhalb \u00fcber Beltala nach Karail, um verschiedene Sachen wie Lebensmittel und Konstruktionsmaterialien nach Beltala oder Karail zu bringen. Zudem kamen Pick-Ups und CNGs zu ann\u00e4hernd gleichen Teilen die Stra\u00dfe entlang. Diese Beobachtungen lie\u00dfen darauf schlie\u00dfen, dass es sich bei Beltala um einen Transitraum handelt und von daher Beziehungen zwischen Karail, Beltala und dem Au\u00dfenraum, also den umliegenden Vierteln oder Stadtteilen Dhakas, bestehen.<br \/>\nAm zweiten Tag meiner Beobachtungen wurden diese Beziehungen noch viel deutlicher. Nun begab ich mich vormittags gegen 10h nach Beltala und setzte mich wieder auf die selbe kleine Holzbank, diesmal zusammen mit Tamanna, unserer \u00dcbersetzerin. Sie sollte mir helfen zu erkl\u00e4ren, was ich dort mache &#8211; aber sie hatte offensichtlich auch Spa\u00df an den Beobachtungen, die sie die ganze Zeit mit mir interessiert teilte. So konnten wir bei Transportfahrr\u00e4dern zwischen unbeladenen und beladenen Fahrr\u00e4dern unterscheiden: Die beladenen Fahrr\u00e4der kamen von au\u00dfen nach Karail, die unbeladenen verlie\u00dfen Karail um in der Stadt Sachen einzukaufen. Der Raum war vormittags leerer als nachmittags, dennoch schien er auch zu dieser Zeit sehr belebt. Zum einen sahen wir weniger spielende Kinder &#8211; wir nahmen an, dass viele in der Schule oder im Kindergarten seien. Zum andern durchquerten jedoch mehr Leute mit Eink\u00e4ufen oder Besorgungen Beltala. Viele von ihnen waren von au\u00dferhalb &#8211; also keine Bewohner Karails oder Beltalas, womit die starke Beziehung zwischen Karail und Au\u00dfenr\u00e4umen wieder einmal deutlich zutage trat.<br \/>\nDiese Au\u00dfenraumbeziehung wurde auch bei der Beobachtung der Schulkinder deutlich. Viele Kinder verlie\u00dfen vormittags Karail \u00fcber Beltala, auf dem Weg zu einer Schule au\u00dferhalb der Siedlung. Jedoch kamen auch viele Kinder nach Karail, weil sie auf eine Schule in Karail gehen. Karail stellt demnach nicht nur G\u00fcter sondern auch soziale Leistungen f\u00fcr Menschen bzw. Kinder von au\u00dferhalb zur Verf\u00fcgung. Der Raum schien mir am Vormittag besch\u00e4ftigter zu sein als nachmittags, da in den L\u00e4den nun gearbeitet und nicht wie am Tag zuvor gequatscht wurde; auch lief keine Musik bzw. kein Fernseher. Gegen Mittag kamen weniger Transportfahrr\u00e4der vorbei, jedoch wurde der Raum voller, weil die Kinder aus der Schule zur\u00fcckkehrten und innerhalb von Minuten wieder auf der Stra\u00dfe waren, um zu spielen. Gegen halb eins entschlossen wir, unsere Beobachtungen zu beenden. Ich hatte einen guten Eindruck des Raumes zu verschiedenen Tageszeiten bekommen und fing an, Gefallen an der Methode zu finden.<br \/>\n<strong>Marian Knop, ASA-Praktikant 2014\/15<\/strong><\/p>\n<h3>6.01.15 &#8211; Die Kinder Karails<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"left alignleft\" src=\"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/sites\/default\/files\/karail%20sketch.jpg\" alt=\"Karail sketch\" width=\"281\" height=\"206\" \/><em>\u201eHiii, how are you!?\u201c<\/em> &#8230;ist wahrscheinlich die Frage, die ich w\u00e4hrend der letzten acht Wochen Feldforschung in Karail Basti am meisten geh\u00f6rt habe, meistens von den vielen lachenden und spielenden Kindern auf der Stra\u00dfe. Pro Tag bestimmt so um die 10 oder 20 mal&#8230; keine Ahnung, jedenfalls sehr oft. Man k\u00f6nnte meinen, dass sich automatisch eine Art Filter im Kopf einbaut, der es schafft, diese Frage zu ignorieren, um sich auf das Wesentliche \u2013 die Feldforschung \u2013 zu konzentrieren. Dem ist aber nicht so. Die Kinder sind von allen Anderen am wenigsten vorurteilsbehaftet, klar werden sie auf Grund meiner \u00e4u\u00dferen Erscheinung, die sich in Hautfarbe, K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, Kleidung deutlich von den Bewohnern Karails unterscheidet, neugierig, aber das war&#8217;s dann glaub ich auch schon. Von daher gehe ich immer noch gerne auf die Kinder ein und antworte mit \u201e<em>fine, thank you<\/em>\u201c oder \u201e<em>khub bhalo<\/em>\u201c (Bangla: sehr gut), oder schenke Ihnen zumindest ein L\u00e4cheln.<br \/>\nWenn es um die Frage geht, wie die Zukunft Karails aussieht, oder wie Planung f\u00fcr ein so riesiges und heterogenes Viertel wie Karail konzipiert werden k\u00f6nnte, spielen die Kinder eine entscheidende Rolle. Schlie\u00dflich bilden sie die n\u00e4chste Generation, die sich eventuell stark mit Karail identifizieren und sich f\u00fcr das Viertel engagieren wird. Vielleicht entwickelt sich eine Identit\u00e4t und daraus resultierend gar eine Art Verantwortungsbewusstsein, das der Siedlung auf jeden Fall sehr n\u00fctzlich w\u00e4re. Wie auch immer, zuerst einmal werden die Kids erwachsen werden. Und dabei spielen Bildungs- und Erziehungseinrichtung eine wichtige Rolle. In Karail gibt es eine Vielzahl von Schulen und Kinderg\u00e4rten, entweder privat organisiert oder, wie in den meisten F\u00e4llen, von NGOs unterst\u00fctzt. Wir haben bis jetzt um die vierzig ausfindig machen k\u00f6nnen, aber es soll wohl weit mehr als hundert geben&#8230; Jedenfalls ist Bildung mindestens genauso wichtig und notwendig, wie die Installation von technischen Infrastrukturen.<br \/>\nIm Falle von Planung, wie auch immer sie in einem Viertel wie Karail aussehen mag, sollte dem Faktor Bildung eine gro\u00dfe Bedeutung zukommen. Ich w\u00fcrde mir eine st\u00e4rkere, quantitativ und vor allen Dingen qualitativ hochwertigere Unterst\u00fctzung der Schulen und Kinderg\u00e4rten w\u00fcnschen \u2013 von \u00f6ffentlicher Seite, von NGO Seite, oder seitens der Entwicklungszusammenarbeit, damit die Kids in Zukunft nicht nur \u201ehow are you!?\u201c sondern auch andere Fragen auf Englisch stellen k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>Marian Knop, ASA-Praktikant 2014\/15<\/strong><\/p>\n<h3>6.01.15 &#8211; A basti is not just about piled huts<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"left alignleft\" src=\"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/sites\/default\/files\/10884901_10204274741243673_1307196_n.jpg\" alt=\"Karail\" width=\"279\" height=\"183\" \/>In the 1960s, the government of Bangladesh acquired around 90 hectares of land for telecommunication-connected infrastructure development. With the advent of residential development, the area, mainly used for seasonal cropping, was flooded both by urban and construction waste and everlasting rainwater. The government failed to initiate the planned infrastructural development, that is why the Ministry of Telephone and Telecommunication (T&amp;T) renounced the land to the Ministry of Housing and Public Works and to the Ministry of Science and Information &amp; Communication Technology. During that time, the city was not as crowded and land was not such a crucial issue as it is today. For this reason, the land wasn&#8217;t considered for commercial uses. This was a vital prerequisite for the development of the big settlement.<br \/>\nBy now, the area has become a prime location for the settlement of the low-income population of Dhaka and people call it \u201ckarail basti\u201d, i.e. \u201cKarail Colony\u201d. It is located within ward 19 of Dhaka City Corporation (BBS, 2007) and surrounded by the Banani Lake on three sides as well as by residential areas, private universities, government quarters and diplomatic offices. Many inhabitants of Karail Basti are employed in the Gulshan area as housemaids, drivers, rickshaw pullers, sellers, gatekeeper, and night guards etc., many also work in garment factories.<br \/>\nIn my perception, if you want to reflect on Karail Basti, you should not only consider it in its physical form, but consider it in a social and political sense. First of all, the inhabitants, while making and contributing to the whole community, stick to their local origin: it is often seen that people from particular districts live in the same area and build networks within each other. This is how areas like \u201cBarishal Colony\u201d, \u201cKumila Potti\u201d etc. have got their names. Nevertheless, I think because of the high density and because generations of families have already lived there, the social relationships between different groups are very tight. This is where the sense of community comes from: Karail Basti has become an encompassing identity factor.<br \/>\nFurthermore, Karail Basti as a place is a political issue. Since the inhabitants always fear eviction because the land is a government property, the local leaders \u2013 as well as informal, self-nominated leaders \u2013 maintain political connections to help and protect the residents from eviction. We observed also a kind of internal \u201cgroupism\u201d, as the inhabitants support different political groups. Many residents reported that they preserve and maintain political connections through the local leaders, who should convince the ruling party not to destroy the settlement. The inhabitants also believe that the government may decide not to destroy the basti because it is the home of a large number of voters. This is the strength of the inhabitants who vote in this ward.<br \/>\n<strong>Farhana Kaniz Sharna, Feldforscherin<\/strong><\/p>\n<h3>3.01.15 &#8211; No &#8220;creative destruction&#8221;, but construction<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"left alignleft\" src=\"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/sites\/default\/files\/RIMG0038_0.JPG\" alt=\"Tamanna\" width=\"280\" height=\"210\" \/>I explore in Karail. It\u2019s really a cream-place, this mini-island within Gulshan, Banani and Mohakhali. I haven\u2019t ever seen such a slum before, truly organised by the inhabitants themselves. Everywhere in Karail, whether at the boat stations or at the market (bazaar) or in various livelihood activities, they have found a systematic way of doing things.<br \/>\nDuring my first visit, Elisa first showed me the many entrances to Karail. I was really curious and tried to figure out the ways inside Karail, the main Karail. The roads&#8217; net at first was really puzzling to me, but now I can say it\u2019s very easy. They have medical centers, pharmacies, a big bazaar which many people from inside and outside the settlement visit for daily shopping. This basti has organised itself via its own CBOs (Community Based Organization) and now is provided (legal) water by Dhaka WASA (DWASA), which was very surprisingly to me. The inhabitants don\u2019t have any legal rights nor documents to live here, but they are getting water from government. Right now, we are studying how this water is distributed and used, which differs from zone to zone.<br \/>\nNowadays, it\u2019s difficult to find one-storied buildings here: more or less every house is two-storied. I was stunned by one big three-storied mosque with tiles in all floors. Many men work as rickshaw pullers and women often have a job as housemaid. But there is also a constant in- and out-migration, as many people come from their village, shift a few times inside Karail while working for different employers in Dhaka, again go back to the village and again come back for living and work.<br \/>\nThough urban dwellers, Karail inhabitants don\u2019t have the right of living, housing etc. in this urban area as yet. They fear eviction, but at the same time &#8211; especially since they got access to a government service, such as DWASA water &#8211; they hope that perhaps, they may get the right to stay.<br \/>\n<strong>Tamanna Siddiqui, Forschungsteam 2014\/15<\/strong><\/p>\n<h3>2.01.15 &#8211; Wie sollte eine Karte aussehen?<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"left alignleft\" src=\"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/sites\/default\/files\/01.jpg\" alt=\"Paul\" width=\"280\" height=\"205\" \/>Das Boot n\u00e4herte sich dem Anleger, der sich aus der Front von Wellblechh\u00e4usern entlang der Uferlinie herausl\u00f6ste. Gleich sollte ich zum ersten Mal Karail Basti betreten. Ab jetzt w\u00fcrde ich mich mit der Siedlung nicht mehr nur durch Lekt\u00fcren und Luftbilder auseinandersetzen &#8211; ich sollte sie erleben, geleitet durch die Frage \u201eWie ist das alles in echt?\u201c. In den kommenden Tagen und Wochen fing ich an, Karail Basti r\u00e4umlich zu begreifen. Es gibt Abgrenzungen und Unterteilungen, verschiedene \u201eViertel\u201c und funktionale Schwerpunkte. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck kann eine auf den ersten Blick un\u00fcberwindbare Komplexit\u00e4t aufgeschl\u00fcsselt, zerlegt und wieder zusammengesetzt werden. Im besten Falle sogar soweit, dass einzelne Dinge und Zusammenh\u00e4nge verstanden werden.<br \/>\nIch glaube, den zu Beginn gef\u00fchlten Status eines Aliens verlor ich mit der aufkommenden Routine. Zumindest kam ich mir sicherer vor, kannte die Wege und das Team hatte sich immer besser eingespielt. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass wir mit unseren Erscheinungen, Messungen und Untersuchungen st\u00e4ndig den Alltag, den wir ja eigentlich verstehen und darstellen wollten, gleichzeitig auch ver\u00e4nderten, wenn nicht st\u00f6rten. Immerhin wuchs die physische Karte, durch zahlreiche Informationen angereichert. Mit der Zeit stellten wir aber auch fest, dass es unter den Bewohnern von Karail ein anderes Verst\u00e4ndnis einer &#8220;Karte des Stadtteils&#8221; gab. \u201eDiese Karte bringt uns nichts\u201c sagte uns einer von ihnen w\u00e4hrend eines Workshops, \u201eich muss nicht wissen, wie genau die Wasserlinie verl\u00e4uft, ich will wissen wo ich wann abbiegen muss, um zu einem bestimmten Haus zu kommen. Also muss die Karte so aussehen!\u201c &#8211; dabei zeichnete er ein rechtwinkliges Netz mit rechtwinklig zueinander liegenden H\u00e4usern. Das Komplexe hat nicht nur eine Ebene, sondern erh\u00e4lt auch im Medium Karte ganz unterschiedliche Bedeutungen und Ergebnisse.<br \/>\nIch habe drei Jahre Stadtplanung studiert. Ich frage mich, was ich bisher gelernt habe, auf welchem Ma\u00dfstab meine Werkzeuge und erlangtes Wissen welche Relevanz haben. Stadt gestalten, Stadt verstehen, den Kontext begreifen \u2013 ist das nicht eine sehr anma\u00dfende Aufgabe? Unter den g\u00e4ngigen Methoden, wie mit Stadt umgegangen werden kann, taucht das omin\u00f6se Wort &#8220;Informalit\u00e4t&#8221; auf. Es birgt viele Definitionen, je nachdem, wer dieses Wort benutzt und mit welchem Ziel. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich die als \u201einformell\u201c beschriebenen Situationen selbst jeweils kennenlernen, erforschen, erleben muss, um das Wort zu benutzen, bewerten und bezweifeln zu k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>Paul Klever, ASA-Praktikant 2012<\/strong>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>women power oder black power wo stehen wir wo gehen wir hin wo wohnen wir wo bauen wir was vermessen wir lass uns dichten zitierend oder ohne zu zitieren &#8230;lasst uns schreiben! forum: R\u00e4umliche, zeitliche wie gedankliche Offenheit eines Ortes f\u00fcr und von gleichberechtigt agierenden Menschen. adda: ein nicht weiter definierter sozialer Raum des freien [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/45"}],"collection":[{"href":"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/45\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":632,"href":"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/45\/revisions\/632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/habitat-forum-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}